Die erste katholische Kirche in Unterliederbach…

 

Kirche St. Johannes Apostel, 1896

Kirche St. Johannes Apostel, 1896

Von der ersten Johanneskirche

in Unterliederbach (1896)

bis zur Weihe der neuen Pfarrkirche

St. Johannes Ap. (1962)

Die erste katholische Kirche in Unterliederbach nach der Reformation wurde im Jahr 1896 auf den Titel des Heiligen Johannes (Apostel und Evangelist) geweiht. Zu dieser Zeit war Unterliederbach ein selbständiges Dorf mit einem eigenen Bürgermeister. Kirchlich gehörte es mit seinen etwa 870 Katholiken zur Pfarrei der Stadt Höchst mit ihrem Pfarrer Emil Siering. Die Justinuskirche als Pfarrkirche konnte die vielen Katholiken kaum mehr fassen, da die Zahl der Pfarreiangehörigen durch den Bau von Wohngebieten rund um die Farbwerke in Höchst rapide anstieg. Die Pfarrkirche St. Josef wurde erst im Jahr 1907 geweiht. In Unterliederbach wohnte damals Pfarrkurat Johann Roth. Im Jahr 1913 – die Zahl der Katholiken betrug nun knapp 2000 Köpfe – wurde die Pfarrei St. Johannes gegründet.

Die Zahl der Katholiken wuchs bis zum Jahr 1943 beständig an. Unterliederbach wurde am 2. Februar 1945 bombardiert. Das 1909 hinter der Kirche erbaute Schwesternhaus (heute steht an diesem Ort das Gemeindehaus) erlitt schwere Zerstörungen, ebenso das Kirchendach und alle Kirchenfenster. Im Kirchenraum lagerten schon seit 1943 Möbel. Doch das Wirtschaftswachstum in den 1950er Jahren ging, nachdem die Amerikaner das ehemalige IG-Farben-Werk Höchst wieder freigaben, auch an Unterliederbach nicht vorbei. Große neue Wohnsiedlungen entstanden.

Als die Zahl von 5000 Katholiken erreicht war (1956) traf der Kirchenvorstand anfängliche Überlegungen zu einer Vergrößerung des Kirchenraums. Die ersten Planungen im März 1957 gingen von einem Anbau an die alte Kirche aus. Umsetzen ließen sich die Entwürfe nicht, weil die Stadt Frankfurt die Goten- und die Sieringstraße bauen ließ und die Pfarrei dafür Teile ihres Grundstücks (mehr als 1400m2) abtreten musste. Nach einer genauen Analyse der Sozialdaten änderten sich die Vorstellungen des Pfarrers rapide: Er forderte in Limburg, die Pfarrei entlang der Königsteiner Straße zu teilen und im Westen eine eigenständige zu gründen. Es sollten nun zwei neue Kirchen entstehen: eine auf dem Gebiet der Gärtnerei Gasselink (am Heimchenweg) und eine zweite östlich der Gotenstraße. Doch Bischof Wilhelm Kempf folgte diesen Ideen nicht – auch, weil Pfarreien in Frankfurt erst ab 8000 Pfarrangehörigen geteilt werden durften. Die 6000 Katholiken Unterliederbachs (1958) reichten nicht aus. Ein Zugeständnis machte der Bischof jedoch, indem er dem Abriss der alten Kirche zustimmte, um am selben Platz einen Kirchneubau und ein neues Pfarrhaus zu errichten.

Architekt Paul Johannbroer entwarf bis Ende des Jahres 1958 ein Modell der neuen Kirche. Von Seiten des Kirchenvorstands wurde zusätzlich ein Glasbild in der Chorwand eingeplant. Der eigentliche Bau begann im Sommer 1960 mit der Errichtung des Pfarrhauses, das im ersten Stock als Notkirche dienen sollte. Im Oktober 1960 begann der Abriss der alten Kirche. Am 19. Februar 1961 fand die feierliche Grundsteinweihe der neuen Kirche statt, das Richtfest folgte am 2. Juni 1961. Fast ein Jahr dauerte die Fertigstellung und die Innengestaltung. Der Tag der Kirchweihe am 13. Mai 1962 durch Bischof Wilhelm Kempf war nicht nur für Unterliederbach ein großes Ereignis, sondern für das gesamte Bistum. Noch vor Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils war ein neuer Weiheritus erlassen worden, der nur noch zwei statt zuvor mindestens vier Stunden dauerte und hier erstmals gefeiert wurde. Über den genauen Ablauf der Kirchweihe wird im Pfarrblatt Anfang Mai berichtet!

Dr. Barbara Wieland

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